Die Inselwelt der Lofoten im Norden des Landes. Wer hier ein Taxi braucht, muss in der Regel vorbestellen.

28. August 2017

Hinter den Kulissen, Vermischtes


Taxi i Norge – alltid og overalt


Vom Nordkapp bis Kristiansand: Taxi in Norwegen – immer und überall.


Viele Urlauber aus Deutschland haben Norwegen als Urlaubsland mit einer Landschaft bereist, die ihresgleichen sucht. Tiefe Fjorde, zerklüftete Küsten, traumhafte Hochebenen und alpine Gebirgslandschaften, Tundra, Gletscher. Das Land hat alles zu bieten, wenn man vor frischer Luft und gelegentlichen Regenschauern nicht zurückschreckt. Rund 4,5 Millionen Einwohner verteilen sich recht unterschiedlich in der wunderschönen Landschaft: Die frühere Hauptstadt Trondheim (aktuell knapp 200.000 Einwohner), Bergen im Südwesten (280.000) und Oslo, Sitz von Regierung, Parlament und Königshaus (660.000), sind die größten Städte.

Oslo, das vor der Unabhängigkeit von Dänemark vorübergehend „Christiania“ hieß, kommt mit seinem Umland inzwischen sogar auf rund eine Million Bewohner und wirkt auch sonst wie eine moderne europäische Metropole – durchaus vergleichbar mit Berlin. Bautätigkeit und Kultur wirken wie ein kleiner Ableger der Bundeshauptstadt. Anders jedoch ist das Preisgefüge: Oslo gilt als eine der teuersten Städte der Welt, das Land insgesamt ist nicht eben preiswert. Das Lohngefüge ist jedoch entsprechend höher. Norweger staunen in Berlin über die für sie sehr günstigen Preise. Pizza gibt es in Oslo nicht unter 20 Euro (ca. 200 norwegische Kronen).

100 Euro vom Flughafen bis ins Zentrum

Taxifahren ist auch deutlich teurer als bei uns. In der Hauptstadt bestimmen im Wesentlichen zwei Großbetriebe das Geschehen: „Christiania Taxi“ war sogar lange allein am Markt. Inzwischen gibt es zahlreiche kleinere Betriebe. Die Preise richten sich nach der Personenzahl, der Tageszeit und dem Gepäck. Der Kilometerpreis beginnt bei 15 Kronen und endet bei ca. 50 NOK (etwa 5 Euro), dazu kommen Zuschläge und Einstiegsgebühren. Eine Fahrt vom Flughafen Gardermoen nördlich der Stadt in das Zentrum kostet zwischen 749 und 949 Kronen, also bis zu knapp 100 Euro. In Oslo haben fast alle Taxifahrer einen Migrationshintergrund. Der Job ist hart, die Konkurrenz groß. Man kann sich ein Taxi in allen Stadtteilen zu fast jeder Tageszeit spontan heranwinken. Das klappt sogar in kleineren Wohnstraßen. Die vielen Leerkilometer werden verstärkt durch bivalente Autos (Toyota Verso) kompensiert. Die Marktanteile von Mercedes schrumpfen.

Auf dem Land ist das allerdings anders. Dort sind die Taxigebühren ähnlich wie bei uns in den einzelnen Kommunen regional festgeschrieben und liegen teils noch über dem Tarif von Oslo. Hier arbeiten oft noch Norweger als Unternehmer, Fahrer und Auftragsvermittler in einem. Insbesondere längere Fahrten müssen generell vorbestellt werden. Im Gegensatz zu Oslo und den anderen „Großstädten“ sind Taxis auf dem Land Mangelware. Dieser Zustand nimmt nach Norden zu. Auf den Lofoten, einer Inselgruppe 200 km nördlich des Polarkreises gibt es nur auf den größeren Inseln
Taxi-„Zentralen“, die zumeist in den örtlichen Rathäusern untergebracht sind. Die Fahrzeugdichte ist sehr gering, die Verdienstmöglichkeiten gut. Die Autos sind zumeist sehr luxuriös ausgestattete Oberklassefahrzeuge oder Busse, häufig mit Allradantrieb. Aber es gibt auch hier Ausnahmen.

Die Fahrer sind durchweg sehr gut gekleidet. Weißes Oberhemd und dunkler Anzug sind in Norwegen Standard, von dem nur in den Städten gelegentlich abgewichen wird. Im Norden kommt eine weitere Besonderheit dazu: Dort wird es im Sommer nicht mehr dunkel, dafür im Winter nicht hell. Die Lichtverhältnisse prägen den Tagesablauf der Menschen vor allem in Nordnorwegen sehr. Haupteinnahmequelle ist neben Tourismus und Energiegewinnung (Erdöl/ -gas, Wasserkraft) immer noch der Fischfang. Es gibt sogar Taxifahrer, die im Nebenerwerb alte Familientraditionen aufrecht halten und Wale jagen. Oder umgekehrt…

Die norwegische Regierung fördert Unternehmen im Norden des Landes um der Entvölkerung entgegenzuwirken. Auch Taxibetriebe kommen in den Genuss der Förderungen. Fahrgäste stehen nördlich des Polarkreises allerdings sehr selten am Straßenland. Nach jüngsten Erhebungen sind die Norweger das glücklichste Volk der Erde. Ob das auch für die Taxifahrer gilt, ist nicht bekannt.


Fotos: Jochen Liedtke

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