Lissabon (Foto: unsplash.com)

24. September 2018

Hinter den Kulissen, Vermischtes


Para o aeroporto por favor


Über den Tellerrand geblickt: Mit dem Taxi in Portugal unterwegs


Portugal am westlichen Rand Europas ist ein Land mit großer Tradition und eigener Sprache, die sich vom Spanischen weniger unterscheidet, als es der Klang vermuten lässt. Ähnlich wie Norweger und Schweden verstehen Spanier und Portugiesen einander – wenn sie es denn wollen. Als Tourist nimmt man sich am Flughafen gerne ein Taxi für die Fahrt zum Hotel oder zu den Sehenswürdigkeiten an Küste und im Hinterland. Portugalreisende besuchen das Land des amtierenden Fußball-Europameisters vor allem wegen seiner wunderschönen Küsten, der prallen Bauhistorie in den Städten und natürlich wegen der Kultur des Landes. Bekanntester Musikstil ist der Fado, entstanden in den Armenvierteln von Lissabon.

Lissabons ‚Eiserner Gustav‘ heißt Augusto Macedo

Eine große Taxitradition gibt es im Land seit weit über 100 Jahren. Mit dem bekannten Kinowerk Taxi Lisboa aus dem Jahr 1996 wurde Portugals Taxigewerbe und seiner Hauptstadt ein filmisches Denkmal gesetzt. Der deutsche Regisseur Wolf Gaudlitz begleitete von 1994 bis 1996 den damals ältesten Taxifahrer der Welt, Augusto Macedo (1902–1997) mit seinem Taxi, einem Oldsmobile F-Serie aus den 1920er Jahren, der 1996 noch als 94-Jähriger in seiner Stadt Lissabon aktiv war. Dabei treten verschiedene Figuren als Fahrgäste auf, die ihre Lebensgeschichten erzählen. Anhand ihrer Erzählungen und anhand der Bilder aus Lissabon entsteht gleichzeitig ein Porträt der Stadt. Die Figuren sind keinesfalls zufällig gewählt, sondern wurden aufgrund der Erzählungen des lebenserfahrenen Taxifahrers Augusto Macedo gezielt ausgesucht. Hierbei entsteht ein Mosaik von Lebensgeschichten, die alle über Macedo und sein spektakuläres Taxi miteinander verwoben sind.

Beige oder schwarz-grün: Portugal hat Farbbindung

Normalerweise erkennt man Taxis – wie in Deutschland – an der beigen Farbe; aber es gibt durchaus noch viele schwarze Droschken mit grünem Dach: Früher waren das die traditionellen Farben aller portugiesischen Taxis.

Im Taxi werden Taxameter verwendet, die geeicht sein müssen. Die Preise müssen wie bei uns im Fahrzeug angeschlagen sein. Wenn Sie ein Taxi per Telefon rufen, werden 0,80 Euro extra fällig; Gepäck (unabhängig von Anzahl und Gewicht) kostet einen Zuschlag von 1,60 Euro (Stand 2017). Rollstühle und andere Gehhilfen sowie Kinderwagen werden kostenlos transportiert.

Trinkgeld ist in den Taxipreisen natürlich nicht inbegriffen; man rechnet etwa fünf bis zehn Prozent vom Fahrpreis.

Parallelen zu Berlin? Das mag jede/r selbst entscheiden….

Gerade in Großstädten wie Lissabon und Porto gibt es auch „schwarze Schafe“ unter den Taxifahrern. Achten Sie auf jeden Fall darauf, dass der Taxameter auf den Grundpreis eingestellt ist: tagsüber 3,25 Euro, nachts 3,80 Euro. Wer sich unsicher ist, kann schon bei der Ankunft im Flughafen Lissabon einen Taxi Voucher kaufen. Man bekommt ihn bei der Touristeninformation in der Ankunftshalle. So bezahlt man für die vorher bekannte Strecke einen Festpreis und kann unerfreuliche Diskussionen mit den Fahrern zum Ende der Fahrt vermeiden.

Wer ein Taxi außerhalb von Ortschaften – etwa vom Flughafen zu einem Ferienhaus, zu einer Sehenswürdigkeit oder zu einem Tagestrip – anmietet, zahlt keinen festen Tarif, sondern einen Kilometerpreis. Auch hier muss der Fahrer Ihnen die Kosten vorher nennen (wenigstens ungefähr, wenn die Streckenkilometer nicht genau bekannt sind). Es kann auch durchaus sein, dass Sie als Fahrgast für Hin- und Rückfahrt zahlen müssen, wenn Sie an ein entlegenes Ziel wollen. Für Ausflüge oder Tagestrips verhandeln Sie am besten einen Festpreis.

Nächste Parallele zu Deutschland: Jedes ‚Kaff‘ hat eigene Tarife

Das Preisgefüge in Portugals Städten variiert recht stark. Die Kilometerpreise schwanken zwischen 40 Cent und einem Euro, die Wartezeit ist in einigen touristischen Orten deutlich teurer als etwa in der Hauptstadt Lissabon und kann bis zu 25 Euro betragen (Lissabon nur 14,80 Euro). In Funchal, Hauptort der Insel Madeira, ist das Taxifahren deutlich teurer als in den beiden größten Städten des Landes. Im europäischen Vergleich sind die Tarife jedoch sehr günstig. Aber Achtung: Neben den regionalen Unterschieden gibt es nahezu überall zahlreiche Zuschläge (Lissabon: 80 Cent für Bestellung per Telefon, eMail oder Internet, Gepäckstücke jeweils 1,60 Euro, Nachtzuschlag 20%).

Eine verkehrsbedingte Wartezeitunterdrückung nach Berliner Vorbild gibt es nach unseren Recherchen nirgendwo. Daher können die Preise nach Tageszeit und Verkehrslage stark schwanken und sind kaum planbar.

Ein Taxi vom Flughafen Lisbon Portela zur Brücke des 25. April die über den Tajo führt, kostet etwa 15,00 Euro inklusive 10% Trinkgeld. Zwischen 21 und 6 Uhr kommen durch den Nachtzuschlag bereits ohne Trinkgeld knapp 17,00 Euro zustande. Steht die Droschke im Stau, können leicht 30 Euro zusammenkommen.

Neben klassischen Funkzentralen gibt es in Portugal inzwischen auch App-basierte Vermittlungsplattformen. MyTaxi und Cabify, die Parallele zu Uber in den portugiesisch und spanisch sprechenden Ländern, sind besonders in den Städten präsent. Auch Uber selbst ist in Portugal aktiv und macht den Kollegen im ganzen Land schwer zu schaffen.

Fotos: Stefan Kruse

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