Das Ludwig-Erhard-Haus – Sitz der Berliner IHK – Foto: IHK Berlin

21. August 2017

Hinter den Kulissen, Interviews


IHK-Vollversammlung – Die Dritte!


Boto Töpfer als Vertreter des Taxigewerbes wiedergewählt.


Vor einigen Wochen ging die Wahl zur IHK-Vollversammlung, dem Parlament der Berliner Unternehmen, zu ende. Für das Taxigewerbe werden auch in der neuen Wahlperiode zwei Vertreter an den Beratungen teilnehmen. Jolanta Derda (Taxiinnung) wurde neu hineingewählt. Boto Töpfer konnte sein Mandat verteidigen und wird der IHK-Vollversammlung zum dritten Mal in Folge angehören. 26 10 26 hat den engagierten Unternehmer aus Charlottenburg, der zugleich WBT-Mitglied und TVB-Vorstand ist, interviewt.

26 10 26: Lieber Kollege und (WBT-) Genosse Boto Töpfer, herzlichen Glückwunsch zur Wiederwahl. Wie fühlt es sich an, sich gegen mehr Kandidaten aus dem Taxigewerbe erfolgreich durchgesetzt zu haben als bei allen Wahlen zuvor? Ist das eine Verantwortung für die kommende Legislatur?

Boto Töpfer: Meine Wahl zeigt, dass das Taxigewerbe die Schwarzarbeit überwinden will. Das fühlt sich gut an! Die Schwarzarbeit ist in unserem Gewerbe die Umsatzbremse Nr. 1 und bedroht viele legal wirtschaftende Betriebe in ihrer Existenz. Ich werde da meinen Weg auch weitergehen. Das LaBO- Schreiben vom 8. Juni 2017 hat mich sehr gefreut! Aber das Wahlergebnis zeigt auch: Meine Wähler/innen unterstützen mich auch nach zehn Jahren für eine dritte Wahlperiode! Ich möchte das Anliegen nun erfolgreich abschließen, damit wir uns wieder mehr mit unserer Qualität als Dienstleister beschäftigen können, um uns gegen neue Wettbewerber behaupten zu können.

26 10 26: Du wirst also Deine dritte Wahlperiode erleben. Welche Erfahrungen aus den vorherigen Jahren kannst Du jetzt einbringen? Was willst Du anders machen?

B.T.: In den letzten 10 Jahren habe ich viele positive Erfahrungen gemacht. Die wichtigste war, dass ich bei meinen Gesprächen mit Behördenvertretern Probleme offen ansprechen konnte. Gleichzeitig entwickelte sich dort eine neue Entschlossenheit, Probleme des Taxigewerbes nicht nur oberflächlich, sondern nachhaltig zu lösen! Diese Erfahrung gibt mir den Schwung, meine Arbeit auch dann fortzusetzen, wenn es mal langsam vorangeht. Was ich anders machen will? Schwierig! Ich werde auch zukünftig bereit sein, mit jedem Kollegen zu sprechen und eine begrenzte Zahl von Problemen bearbeiten – dies aber systematisch!

26 10 26: Wird es Absprachen mit Deiner neu gewählten Kollegin von der Taxiinnung geben? Habt Ihr Euch schon kennenlernen und Absprachen treffen können?

B.T.: Das hoffe ich! Meine neue Kollegin hat sich ja vorgenommen, schnell für leistungsfähige Verkehrsnetze, Erreichbarkeit in der ganzen Stadt, Lademöglichkeiten, aber auch Taxi- und Reisebushalteplätze und eine gute Organisation an Verkehrsknoten zu sorgen. Jolanta hat mich auch sehr bald zu einem Gespräch eingeladen. Wir wollen unsere Arbeit koordinieren.

26 10 26: Möchtest Du den unterlegenen Mitbewerbern eine Botschaft übersenden? Wie bist Du für die Kolleginnen und Kollegen künftig erreichbar?

B.T.: Meine Mitbewerber kenne ich fast alle seit vielen Jahren.
Sie wissen alle, dass ich für einen fairen Wettbewerb und konsequente Innovation im Taxigewerbe streite. Und genau die Betriebe, die im fairen Wettbewerb Gewinne erwirtschaften müssen, vertrete ich auch in der IHK! Und zwar verbandsübergreifend! Daher gibt es auch genügend Möglichkeiten für alle Kollegen und Kolleginnen, mich zu erreichen. Kollegen sprechen mich über die IHK an, ich stehe auch auf Versammlungen der verschiedenen Verbände Rede und Antwort. Meistens werde ich wie heute auch wieder von Kollegen an Halteplätzen angesprochen. Oft suche ich auch das Gespräch selbst wie z. B. auf dem Flughafen oder an der Messe Berlin.

26 10 26: Welche Hauptaufgaben siehst Du für Deine künftige Arbeit im IHK-Parlament und wie willst Du Deine Ziele erreichen?

B.T.: Die IHK setzt sich für die Wirtschaftlichkeit der Berliner Betriebe ein. Da ist sie das ideale Instrument, um durch Bereitstellung und Schaffung von Netzwerken Lösungen zu erarbeiten, die allen Gewerbeteilnehmern zugutekommen. Aufgaben gibt es genug: Wie kommen Fluggäste vom BER mit einem qualitativ hochwertigen Taxiangebot nach Berlin? Welcher Tarif ist für das Gewerbe am sinnvollsten? Nur einige der Fragen, die im IHK-Parlament und über die Branchenkoordinatoren bearbeitet und entschieden werden müssen.

26 10 26: Welche Grenzen gibt es bei der Mitarbeit bei der IHK? Welche Aufgaben muss die IHK selbst stemmen und welche Forderungen hast Du an die Berliner Landespolitik? Gibt es auch Vernetzung über den Fachbereich des Fuhrgewerbes hinaus?

B.T.: Die IHK kann nicht wie das Abgeordnetenhaus Gesetze beschließen. Aber es ist möglich, Problemlösungen aufzuzeigen und Wünsche der Wirtschaft an die Politik heranzutragen. Oft sind gute Gesetze vorhanden, sie können aber wegen Personalmangels nicht durchgesetzt werden. Hier hat die IHK schon mehrfach das Taxigewerbe bei der Durchsetzung berechtigter Interessen unterstützt – ob beim Testbetrieb des Fiskaltaxameters oder bei der Einführung der bargeldlosen Zahlung als Deutschlandpremiere. Oder bei der dringend benötigten Aufstockung des qualifizierten Personalbestands beim LaBO. Hier liegt auch nach wie vor meine Hauptforderung an die Berliner Politik: Gesetze und Verordnungen sind gut, müssen aber durch Personal umgesetzt werden!
Die Vernetzung innerhalb und außerhalb der Wahlgruppe 4 (Verkehr, Mobilität, Logistik) findet auf verschiedene Weisen statt. Innerhalb der Untergruppe Dienstleistungen haben z. B. Taxen und Speditionen wie auch Entsorgerbetriebe das gleiche Interesse an freien Abbiegespuren oder eingeschränkten Halteverboten, um die Ladetätigkeit problemlos abwickeln zu können. Aber auch zwischen den Gewerben unterschiedlicher Wahlgruppen gibt es eine funktionierende Vernetzung. Ich nutze dabei die Möglichkeiten, die der Tourismusausschuss bietet. Hier haben z. B. das Taxigewerbe und das Gastgewerbe die Möglichkeit zum gemeinsamen Formulieren seiner Interessen.

26 10 26: Lieber Boto, wir wünschen Dir viel Erfolg bei der Wahrnehmung Deines Mandats – zum Wohl des gesamten Berliner Taxigewerbes. Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Jochen Liedtke

Zur Person

Boto Töpfer, studierter Lehrer (2. Staatsexamen Lehramt Gymnasium), ist Taxiunternehmer seit 1986 und hat seinen P- Schein mit 21 Jahren gemacht. Inzwischen ist er 66 Jahre alt (gefühlt 57) und hat mit seiner Frau drei erwachsene Kinder.

Boto Töpfer ist seit 2006 Mitglied der WBT eG, seit 2007 gehört er der IHK- Vollversammlung an. Jetzt beginnt seine dritte Wahlperiode. Seit 2008 umfasst sein Betrieb 6 Taxis, seit 2016 sind alle mit Fiskaltaxameter ausgestattet. Der Charlottenburger ist seit vielen Jahren zweiter Vorsitzender des TVB.

Zu seinen Hobbies zählt er Wandern, Städtereisen, Autofahren (untertourig!), Politik, Umweltschutz, England ohne Brexit und Kochen.

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