15. August 2017

Titelthemen


Besser durch Berlin – endlich auch inklusiv.


Barrierefreiheit im Berliner Taxigewerbe – Drei engagierte Betriebe gehen voran! Gemeinsames Projekt mit dem SoVD startet mit berollbaren Caddy-Taxis. Alle haben das grüne Dreieck in der Windschutzscheibe.


Es brauchte langen Atem, Hartnäckigkeit, Durchsetzungsvermögen. Vor allem aber: die richtige Idee. Martin Maubach ist einer der „Väter“ dieser Idee. Seit Jahren engagiert sich Maubach für einen inklusiven Berliner Taxiverkehr. Menschen mit Gehbehinderung sollen auch dann ein Taxi nutzen können, wenn sie ihren Rollstuhl nicht verlassen können. Mit der „Taxiinnung“ wurde hierzu eine Kooperationsvereinbarung vorverhandelt, mit Funk Taxi Berlin und drei engagierten und in der Beförderung von mobilitätseingeschränkten Menschen erfahrenen Unternehmen der richtige Partner gefunden. Anke Hübner, Uwe Schütz und Joachim Fröhlich haben die fünf mit einer versenkbaren Rampe ausgestatten InklusionsTaxis des Projekts „Taxi für alle“ des Sozialverbandes Deutschland (SoVD) in ihre Flotten aufgenommen. Alle drei Unternehmen sind langjährige Funkteilnehmer der WBT, zwei von ihnen engagieren sich auch beim Sonderfahrdienst (SFD), bringen also viel Erfahrung bei der Beförderung von Menschen mit Behinderung mit in das Projekt, das zunächst über ein Jahr läuft.

Die Fahrzeuge vom Typ VW Caddy Maxi sind vollwertige Taxis, die auch für die Fahrer keinen Wunsch offenlassen. Sie haben leistungsstarke Dieselmotoren, Automatikgetriebe, eine leichtgängige Servolenkung, ein Taxipaket und bieten Platz für einen Rolli und vier weitere Fahrgäste oder für sechs Fahrgäste auf gewöhnlichen Sitzen. Die Sitze in der dritten Reihe sind klapp- und drehbar und sind mit wenigen Handgriffen auf- oder abgebaut. Die Rampe ist versenkbar und von außen nicht zu erkennen. Ein nicht ganz unwichtiges Argument für Taxibetriebe und -fahrer. Fast alle gängigen Rollstuhltypen und kleine bis mittlere Scooter können bequem in das Taxi hineingefahren oder -geschoben werden. Die Caddys werden zunächst von VW angemietet und können in 2018 dann übernommen werden.

Projektstart am Hauptbahnhof im strömenden Regen

Die Fahrzeugübergabe fand in der letzten Juniwoche statt, ebenso die feierliche Einweihung am letzten Donnerstag des Monats. Pech hatten der SoVD und seine Partner mit der Terminwahl, konnte doch niemand ahnen, dass ausgerechnet am 29. Juni in Berlin so viel Regen niedergehen sollte, wie sonst in einem Vierteljahr. Während die Feuerwehr den Ausnahmezustand ausrufen musste, trotzten die auf den Washingtonplatz am Hauptbahnhof geladenen Gäste, allen voran Berlins Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Die LINKE) und Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Bü90/Grüne), sowie zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Berliner Behindertenverbände dem schlechten Wetter und testeten die fünf Projekttaxis ausgiebig. Lutz-Stephan Mannkopf, Projektleiter für das Inklusionstaxi beim SoVD, gab auf sympathisch-ruhige Weise in einem eigens für die Gäste errichteten Zelt seine fachliche Einführung in das Projekt. Ihm folgten Grußworte der Senatorinnen und weitere Reden, unter anderem von Bärbel Reichelt (Vorstandsmitglied des Berliner Behinderten Verbandes) die es sich im Anschluss an die Festreden nicht nehmen ließ, im strömenden Regen die Taxis zu berollen und sich weiteren Gesprächen mit den anwesenden Politikern und Fachleuten zu stellen. Martin Maubach, Projektentwickler beim SoVD, der bei dem Umbau der Fahrzeuge beratend dabei war, stand mit Wort, Tat und Regenschirm zur Seite.

Bild links: Lutz-Stephan Mannkopf (SoVD) leitet das Taxiprojekt; Bild mitte: Sozialsenatorin Breitenbach wirbt vor den Besuchern für Inklusion im Taxigewerbe;
Bild rechts: Regine Günther, Senatorin für für Umwelt und Verkehr, unterstützt das Projekt

Senat und SoVD sind inzwischen von den ursprünglich geforderten 10 % inklusiven Taxis abgerückt. Der Empfehlung einer TU- Studie folgend, wolle man in der Folge etwa 250 Fahrzeugumrüstungen fördern. Senatorin Breitenbach hat 5000 Euro je Taxi zugesagt. Allerdings muss der Doppelhaushalt für die Jahre 2018/19 noch vom Berliner Abgeordnetenhaus beschlossen werden.

Taxibestellung einfach gemacht: 26 10 26

Den Start machen nun also die fünf Projekttaxis. Uwe Schütz, der auch Mitglied der WBT eG ist, hat noch drei weitere Caddys mit Rampe in Betrieb und verfügt über umfangreiche Erfahrung aus der Mitarbeit beim Sonderfahrdienst. Hier werden umgerüstete Kleinbusse eingesetzt, die im Auftrag des Senats Menschen befördern, die über eine Berechtigung zur Nutzung des SFD verfügen. Die barrierefreien Taxis können hingegen von allen Menschen bestellt werden, also auch von Berlinbesuchern. Funk Taxi Berlin wird die Autos über seine bekannte Rufnummer 26 10 26 vermitteln. Mitbewerber schlugen Sondernummern vor. Die künftigen Fahrgäste wünschen sich jedoch Inklusion. Und die beginnt bereits bei der Bestellung. Wir freuen uns darauf, inklusiv vermitteln zu können. Und wir hoffen, dass die fünf Taxis nur der erste Schritt sind.

Elisabeth Schmidek beim Test. Martin Maubach (SoVD) hilft.

Bärbel Reichelt (mi.) mit Sozialsenatorin Elke Breitenbach (links) und Verkehrssenatorin Regine Günther (rechts)

Fotos: Jochen Liedtke & Mirco Tripoczky

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